Brand · aus Schwarze Maulbeere

Maulbeerbrand

Feines Fruchtaroma aus Schwarzen Maulbeeren.

Gärtemperatur
14–16 °C (schonend)
Gärdauer
kurz – schon bei abklingender Gärung brennen (Planungsrichtwert; Gärende prüfen)
Trinkstärke
40–45 % vol

Welches Obst eignet sich?

Für Maulbeerbrand wird die aromatische Schwarze Maulbeere bevorzugt. Die Weiße Maulbeere wird als süßlich und aromaschwächer beschrieben. Die Früchte ähneln kleinen Brombeeren.

Die Ernte ist mühsam – die Bäume werden bis zu 15 m hoch, die kleinen Scheinbeeren zerfallen leicht und reifen ungleich. Wegen des feingliedrigen Aromas ist eine schonende Vergärung Pflicht.

Aroma und Geschmack

Feines Fruchtaroma, das eine schonende Verarbeitung erfordert. Eine Aroma-Weinhefe kann den fruchteigenen Charakter heben.

Die Maische ansetzen

  1. Schwarze Maulbeeren verwenden, nicht die weiße: die Schwarze trägt das besondere Aroma, die Weiße gilt als aromaschwächer. Vollreif ernten – die Beeren reifen ungleich, die Ernte zieht sich über Wochen.

  2. Vorsichtig verarbeiten: die kleinen Scheinbeeren zerfallen beim Ernten leicht. Bei schrittweiser Ernte ins gleiche Gefäß einmaischen.

  3. Säureschutz: ansäuern – bei schrittweisem Befüllen den pH-Wert jedes Mal neu einstellen. Aroma-Weinhefe zugeben (hebt den feingliedrigen Fruchtcharakter); bei schrittweisem Einmaischen die Hefe nur einmal in der Erstmaische-Dosierung.

  4. Schonend kühl vergären (14–16 °C) zum Schutz des feinen Aromas.

  5. Nicht lange lagern – schon bei abklingender Gärung brennen. Langsam destillieren, bei Bedarf unter Alkoholzusatz, für die wertvollen Aromen.

→ Gärung im Detail

Wie viel brauche ich?

Du hast eine bestimmte Menge Obst – wie viel Maische, Hefe und (optional) Zucker wird daraus? Der Rechner skaliert die Faustwerte; die genaue Pektinase-Gabe richtet sich nach dem Präparat.

≈ 20 l Maische aus 20 kg Frucht

  • Hefe: rund 4–6 g Reinzucht-Trockenhefe (20–30 g/100 l)

Pektinase:nach Bedarf – die Menge immer nach Herstellerangabe dosieren, Präparate sind unterschiedlich konzentriert. → Enzym richtig einsetzen (Maische & Mikrobiologie)

Faustwerte für den Hausgebrauch: weiche Maische ≈ 1 l je kg Frucht, Hefe 20–30 g/100 l, Zucker ~17 g/l je % vol Anhebung (maßvoll aufzuckern – mehr zur hochgradigen Maische). Die Volumenzunahme durch gelösten Zucker ist in dieser Näherung nicht berücksichtigt. Der Alkohol-Richtwert nutzt den hinterlegten Extrakt-Richtwert (°Brix) und die belegten Obst-Faktoren nach Pischl – er erscheint nur für Obstarten, für die diese Faktoren vorliegen. Genauer rechnet der Brennerei-Rechner aus dem selbst gemessenen Extrakt.

Verarbeitung und Richtwerte

KategorieBrand
GrundzutatSchwarze Maulbeere
Reife / ErnteReift ungleich über Wochen – täglich auflesen; die kleinen Scheinbeeren zerfallen beim Ernten leicht.
AusbeuteVergärbarer Invertzucker rund 8–10 %. Im LVWO-Versuch wurden insgesamt 3,68–4,57 l reiner Alkohol je 100 kg Maische gewonnen, einschließlich Vor- und Nachlauf; die trinkbare Mittellaufausbeute ist geringer.
Zuckerzusatzkein Zusatz – rund 8–10 % vergärbarer (Invert-)Zucker
Maische-pHansäuern; bei schrittweisem Einmaischen jedes Mal neu einstellen
HefeAroma-Weinhefe (hebt den Fruchtcharakter)
Pektinasenach Bedarf
Gärdauerkurz – schon bei abklingender Gärung brennen (Planungsrichtwert; Gärende prüfen)
AromaUngewöhnlich, feingliedrig, angenehm.

Praxis & Tipps

Häufige Fehler bei Schwarze Maulbeere

  • Fader, ausdrucksarmer Brand: weiße statt schwarze Maulbeere oder unreife Ware – schwarze, vollreife Früchte verwenden.
  • Verlorenes Feinaroma: zu warme Gärung – schonend bei 14–16 °C vergären und Aroma-Weinhefe nutzen.
  • Fehlgärung bei schrittweisem Einmaischen: der pH wurde nicht nachgestellt – bei jedem Befüllen neu ansäuern und das Gefäß sauber halten.

→ Alle Fehlerbilder & Gegenmaßnahmen

Der Schnitt

Vorlauf sauber abtrennen und den Nachlauf rechtzeitig erkennen. Das Roh- und Feinbrandverfahren kann bei alkoholarmen Maischen die Trennung erleichtern.

→ Kopf, Herz, Schwanz: der Schnitt im Detail

Besonderheiten