Glossar
Begriffe rund ums Brennen
Das Fachvokabular des Brennens – kurz erklärt und schnell auffindbar.
74 Begriffe von A bis Z
A
- Abtrieb
- Eine einzelne Destillation einer Brennblasen-Füllung – der „Durchgang“ beim Brennen. → Brennen & Schnitt
- Acetaldehyd
- Leichtflüchtige Vorstufe des Alkohols mit stechendem Geruch (grüner Apfel, Klebstoff) – läuft zu Beginn über und gehört in den Vorlauf. → Brennen & Schnitt
- Acrolein
- Scharfer, augenreizender Fehlstoff (Meerrettich-Note): entsteht aus unsauberem Obst, wenn Bakterien eine Vorstufe bilden, die beim Brennen zu Acrolein reagiert. → Fehler & Gegenmittel
- Alkoholometer (Aräometer)
- Schwimmspindel, die über die Dichte den Alkoholgehalt einer Flüssigkeit anzeigt (% vol). In der Vorlage liest man daran den Verlauf des Schnitts ab; der Wert gilt nur bei der aufgedruckten Temperatur, meist 20 °C. → Brennen & Schnitt
- Amylase
- Enzyme, die Stärke in vergärbaren Zucker zerlegen. Bei stärkereichem (oft unreifem) Kernobst zugeben, sonst bleibt die Stärke unvergoren und die Ausbeute sinkt. → Maische & Mikrobiologie
- Angesetzter
- Das ungebrannte Mazerat: Frucht oder Kräuter ziehen in Alkohol, getrunken wird der Ansatz selbst. Ohne Brennschritt – darum kein Geist; mit Zucker wird er zum Likör. → Geist & Mazeration
- Antischaummittel
- Lebensmittelechtes Mittel, das die Schaumdecke stark schäumender Maischen (z. B. Holunder, Quitte) bricht, damit Gärbehälter oder Brennblase nicht überlaufen. → Maische & Mikrobiologie
- Ausbeutesatz
- Der erfahrungsgemäß je Obstart zu erwartende Alkoholertrag; für Abfindungsbrennereien amtlich festgelegt und Grundlage der pauschalen Besteuerung. → Rechner
- Azeotrop
- Die destillative Obergrenze: Alkohol und Wasser lassen sich durch Brennen nur bis etwa 97,2 % vol trennen, höher nicht. → Brennen & Schnitt
B
- Benzaldehyd
- Der Bittermandel- bzw. Marzipanaroma-Stoff aus Steinobst – entsteht aus aufgebrochenen, mitgebrannten Steinen. In Spuren erwünscht, geht aber mit Blausäure einher; Steine darum nicht zerschlagen. → Fehler & Gegenmittel
- Blausäure (Cyanwasserstoff)
- Giftstoff, der aus den Bittermandelverbindungen beschädigter Steinobstkerne frei wird. Steine nicht zerschlagen; aus Blausäure kann zudem das krebsverdächtige Ethylcarbamat entstehen. → Recht & Sicherheit
- Brand
- Destillat aus vergorener, zuckerreicher Frucht (z. B. Zwetschgen-, Apfelbrand).
- Brennblase (Blase)
- Das beheizte Gefäß, in dem die Maische verdampft – das Herzstück jedes Brenngeräts. Heute fast immer indirekt über Wasserbad oder Dampf beheizt, damit nichts anbrennt und das Aroma geschont wird. → Brenngeräte
- Brix / Öchsle
- Maße für den Zuckergehalt der Frucht – Grundlage der Ausbeute-Schätzung. → Rechner
- Buttersäure
- Fehlton nach ranziger Butter – Folge einer Fehlgärung; faules Bodenobst und Schmutz in der Maische begünstigen ihn. → Fehler & Gegenmittel
C
- Cyanogenes Glykosid
- Pflanzlicher Bitterstoff (z. B. Amygdalin in Steinobstkernen, Sambunigrin in grünen Pflanzenteilen und unreifen Beeren des Holunders), aus dem sich Blausäure abspalten kann. Zerschlagene Kerne, grüne Stiele und unreife Beeren meiden. → Recht & Sicherheit
D
- Dephlegmator (Verstärker)
- Ein Rückflusskühler im Brenngerät: Er kondensiert gezielt einen Teil der Dämpfe zurück (Wasser eher als Alkohol) und verstärkt so das Destillat. Über den Kühlwasserdurchfluss steuert man den Verstärkungsgrad. → Brenngeräte
- Destillation
- Das Brennen selbst: Durch Erhitzen verdampfen Alkohol und Aromastoffe vor dem Wasser, der Dampf wird gekühlt und wieder flüssig aufgefangen. → Brennen & Schnitt
- Digestion
- Auszug mit leicht erwärmtem Alkohol: schneller als die kalte Mazeration, aber riskanter, weil Wärme die feinsten, flüchtigen Aromen austreibt. → Geist & Mazeration
E
- einmaischen
- Das Ansetzen der Maische: die Früchte zerkleinern und mit Hefe, Säure und ggf. Enzym in den Gärbehälter geben, sodass jede Frucht aufgeschlossen ist. → Maische & Mikrobiologie
- entrappen
- Beeren von Stielen, Rispen und Dolden befreien – sonst bringen die Stiele Gerbstoffe und Bitterkeit in die Maische (bei Holunder auch den Bitterstoff Sambunigrin, der aber in der Maische bleibt und nicht ins Destillat übergeht). → Obst & Vorbereitung
- Essigsäurebakterien
- Luftliebende Bakterien, die Alkohol zu Essigsäure veratmen – Ursache des Essigstichs. Maische gut abdecken (CO₂-Decke, Gärverschluss). → Maische & Mikrobiologie
- Essigstich
- Fehlton nach Essig/Nagellackentferner: Essigbakterien haben den Alkohol der Maische veratmet – meist, weil nach der Gärung die schützende Kohlensäure-Decke verloren ging. → Fehler & Gegenmittel
- Ester
- Duftstoffe aus der Verbindung von Säure und Alkohol – sie tragen die fruchtigen Aromen. Die leichtflüchtigen, stechend lösungsmittelartigen Ester (z. B. Ethylacetat) gehören in den Vorlauf.
- Ethylacetat
- Ester aus Essigsäure und Alkohol, riecht nach Klebstoff und Nagellackentferner. Typischer Vorlauf-Stoff; viel davon deutet auf eine essigstichige Maische hin. → Brennen & Schnitt
- Ethylcarbamat
- Krebsverdächtiger Stoff in Steinobstbränden, der aus der Blausäure beschädigter Kerne entsteht. Gegenmittel: Steine nicht zerschlagen und den Nachlauf rechtzeitig abtrennen. → Recht & Sicherheit
- Extrakt
- Die Summe aller gelösten Stoffe in Saft und Maische – nicht nur Zucker, sondern auch Säuren, Mineralstoffe und nicht vergärbare Anteile. Hoher Extrakt heißt darum nicht automatisch hohe Ausbeute. → Rechner
F
- Feinbrand
- Zweiter Brand, bei dem das Aroma konzentriert und der Schnitt gesetzt wird. → Brennen & Schnitt
- Fuselöl
- Sammelbegriff für höhere Alkohole, die sich im Nachlauf anreichern – in Spuren aromagebend, im Übermaß dumpf und kratzig. Werden mit dem Nachlauf abgetrennt. → Brennen & Schnitt
G
- Gärbehälter (Gärgefäß)
- Das lebensmittelechte, alkoholfeste Fass oder der Tank, in dem die Maische gärt – verschlossen mit einem Gärspund und mit genug Steigraum gegen das Überschäumen. → Maische & Mikrobiologie
- Gärspund (Gärverschluss)
- Das Ventil auf dem Gärgefäß: Es lässt das entstehende CO₂ entweichen und hält zugleich Luft und Bakterien (Essigstich!) draußen. → Maische & Mikrobiologie
- Geist
- Destillat aus zuckerarmer, aromatischer Frucht, die in Neutralalkohol mazeriert und dann destilliert wird (z. B. Himbeergeist). → Geist & Mazeration
- Gerbstoff (Tannin)
- Pflanzenstoffe (Tannine) vor allem in Stielen, Blättern und Kernen – sie machen Maische und Brand herb-grasig und bitter. Darum Stiele und Blätter entfernen. → Obst & Vorbereitung
- Glockenböden
- Übereinanderliegende Böden im Verstärkeraufsatz mancher Brennanlagen; an jedem kondensiert und verdampft das Destillat erneut – jeder Boden wirkt wie eine zusätzliche Destillation. → Brenngeräte
H
- Helm & Geistrohr
- Der Aufsatz über der Blase: Der Helm sammelt die aufsteigenden Dämpfe, das Geistrohr leitet sie zum Kühler. Beim Geisthelm ist der Dampfraum bewusst groß, damit zarte Aromen mitgehen. → Brenngeräte
K
- Kahmhefe
- Hefen, die auf einer offen stehenden Maische eine weiß-graue Haut bilden und den Alkohol veratmen – muffig-oxidativer Fehlton. Vermeidet man durch Luftabschluss. → Maische & Mikrobiologie
- Kohlendioxid (CO₂)
- Das Gärgas: Die Hefe setzt beim Vergären des Zuckers Kohlendioxid frei. Es entweicht durch den Gärspund und legt sich als schützende Decke über die Maische, die Luft und Essigbakterien fernhält. → Maische & Mikrobiologie
- Kühler
- Verflüssigt die heißen Dämpfe wieder zum Destillat, meist im Gegenstrom: Das Kühlwasser läuft dem Dampf entgegen, so kondensiert er vollständig. → Brenngeräte
- Kupfer-Katalysator
- Kupfer-Füllkörper im Brenngerät, die Blausäure (zu Kupfersalzen) und Fettsäuren binden – senkt das Ethylcarbamat in Steinobstbränden und liefert sauberere Brände. → Brenngeräte
M
- Maische
- Die zerkleinerte, vergärende Fruchtmasse – Ausgangsmaterial fürs Brennen. → Maische & Mikrobiologie
- Massen- / Volumenprozent
- % vol = Liter reiner Alkohol je 100 l (nur mit Temperatur, meist 20 °C, eindeutig); % mas = Gramm Alkohol je 100 g. Beim Verdünnen rechnet man über die Masse, weil das Volumen sich beim Mischen zusammenzieht. → Rechner
- Mazeration
- Das „Ansetzen“: Aromastoffe werden ausgezogen, indem man die Frucht oder Kräuter in Alkohol einweicht. Grundlage jedes Geistes und der Kräuteransätze. → Geist & Mazeration
- Methanol
- Giftiger Alkohol, der beim Abbau von Fruchtpektin in der Maische entsteht – nicht beim Brennen. Er verteilt sich über den ganzen Lauf und lässt sich nicht über den Vorlauf wegschneiden; begrenzt wird er über eine saubere Maische und den Nachlauf. → Recht & Sicherheit
- Milchsäurebakterien
- Unter Luftabschluss tief in der Maische aktive Bakterien; sie können eine Vorstufe bilden, aus der beim Brennen der scharfe Fehlstoff Acrolein entsteht. → Maische & Mikrobiologie
- Mittellauf (Herz)
- Das aromatische, trinkbare Herzstück zwischen Vor- und Nachlauf. → Brennen & Schnitt
- Mostgewicht
- Maß für den Zuckergehalt des Safts (in °Öchsle oder °Brix) – Grundlage der Ausbeute-Schätzung. Achtung: nicht vergärbare Stoffe wie Sorbit täuschen ein zu hohes Mostgewicht vor. → Rechner
- Mostwaage (Öchslewaage)
- Schwimmspindel, die über die Dichte das Mostgewicht des Safts misst (°Öchsle). Wie das Refraktometer dient sie der Zucker- und Ausbeute-Schätzung, braucht aber mehr Saft. → Rechner
N
- Nachlauf
- Letzte Fraktion mit Fuselölen – hier reichert sich auch das Methanol an; wird rechtzeitig abgetrennt. → Brennen & Schnitt
- Nachlaufton
- Dumpfer, kratziger Fehlton („alter Putzlappen“): Fuselöle und Fettsäuren aus einem zu spät beendeten Brand überdecken die Frucht. Gegenmittel: den Mittellauf rechtzeitig wegnehmen und den Nachlauf separat auffangen. → Fehler & Gegenmittel
- Neutralalkohol
- Hochgereinigter, geschmacksneutraler Alkohol (mindestens 96 % vol) landwirtschaftlichen Ursprungs – Basis für Geiste und Liköransätze. → Geist & Mazeration
P
- Parasorbinsäure / Sorbinsäure
- In rohen Vogelbeeren steckt magenreizende Parasorbinsäure; erst die Hitze beim Brennen wandelt sie in die harmlose Sorbinsäure um – einen natürlichen Konservierungsstoff.
- Passiermaschine
- Gerät, das Fruchtmus von Kernen, Stielen und Schalen trennt – erspart bei größeren Mengen das Entsteinen von Hand. → Obst & Vorbereitung
- Pektinase
- Enzym, das pektinreiche Maischen (Apfel, Quitte) aufschließt und die Ausbeute sichert – setzt dabei aber Methanol frei. → Maische & Mikrobiologie
- Perkolation
- Auszugsverfahren, bei dem der Alkohol wiederholt durch das Fruchtgut sickert, statt nur darin zu stehen – vertieft die Mazeration, ohne zu erhitzen. → Geist & Mazeration
R
- Rau- und Feinbrand
- Die klassische Zweifach-Destillation: Der Raubrand zieht zuerst allen Alkohol grob aus der Maische, der Feinbrand verstärkt und reinigt ihn und setzt den Schnitt. → Brennen & Schnitt
- Refraktometer
- Optisches Handgerät, das über die Lichtbrechung den Zuckergehalt (Brix) aus einem Tropfen Saft misst – schnell und mit wenig Material, Grundlage der Ausbeute-Schätzung. → Rechner
- Reinzuchthefe
- Gezielt vermehrte Weinhefe (Saccharomyces cerevisiae), die der Maische zugesetzt wird – sie verdrängt die Wildhefen (auf der frischen Maische rund 1000 : 1) und gärt sauber und zuverlässig. → Maische & Mikrobiologie
- Rohbrand
- Erstes, noch unreines Destillat aus der Maische; wird meist ein zweites Mal gebrannt. → Brennen & Schnitt
S
- Schlempe
- Der entalkoholisierte Maischerest, der nach dem Brennen in der Blase zurückbleibt. → Brennen & Schnitt
- Der Schnitt
- Das Trennen von Vor-, Mittel- und Nachlauf – entscheidet über Genuss und Sicherheit. → Brennen & Schnitt
- Sorbit
- Ein Zuckeralkohol (v. a. in Kirschen), den die Hefe nicht vergären kann. Er zählt bei der Zuckermessung mit und täuscht so eine höhere Ausbeute vor, als am Ende herauskommt. → Rechner
- Sperrflüssigkeit
- Die Flüssigkeit im Gärspund, meist 2 %ige schweflige Säure – sie lässt das Gärgas (CO₂) entweichen, aber keine Luft und keine Keime hinein. → Maische & Mikrobiologie
- Spontangärung
- Vergärung allein durch die mitgebrachten Wildhefen, ohne zugesetzte Reinzuchthefe – riskant, weil Fehlgärungen schwer zu kontrollieren sind. → Maische & Mikrobiologie
- Steigraum
- Der frei gelassene Platz im Gärgefäß, in den die schäumende Maische aufsteigen kann, ohne überzulaufen – ein Teil des Gefäßvolumens bleibt dafür leer. → Maische & Mikrobiologie
T
- Terpene
- Eine Gruppe leichtflüchtiger pflanzlicher Aromastoffe mit blumig-würzigen und zitrusartigen Noten (etwa in Muskat-Trauben, Wacholder und vielen Kräutern) – Träger des Sortenbuketts.
- Trester
- Die festen Pressrückstände der Saft- oder Weinherstellung. „Trester“ und „Tresterbrand“ (Grappa) sind rechtlich dem Traubentrester vorbehalten.
V
- Verkehrsbezeichnung
- Die rechtlich geregelte Verkaufsbezeichnung einer Spirituose – etwa „Obstbrand“, „Geist“ oder „Obstler“. Welcher Name erlaubt ist, legt die EU-Spirituosenverordnung fest und knüpft ihn an feste Bedingungen (Herstellungsart, Mindestalkohol). → Recht & Sicherheit
- Vorlage
- Das Gefäß, in dem das fertige Destillat aufgefangen wird. Ein darin schwimmendes Alkoholometer zeigt den Alkoholgehalt live an – die Grundlage für den Schnitt. → Brenngeräte
- Vorlauf
- Erste Fraktion des Brands – riecht stechend (Acetaldehyd, Ethylacetat) und wird verworfen. Anders als oft behauptet entfernt der Vorlauf-Schnitt nicht das Methanol. → Brennen & Schnitt
- Vorlaufton
- Fehlton nach Klebstoff und Lösungsmittel: Acetaldehyd und Ethylacetat aus einem zu knapp abgetrennten Vorlauf sind im Mittellauf gelandet. Gegenmittel: den Vorlauf sauber abtrennen und die ersten Portionen verdünnt verkosten. → Fehler & Gegenmittel
W
- Wasser
- Traditioneller Name für klaren Obstbrand, v. a. Kirschwasser = Kirschbrand.
- Wasserbad (indirekte Beheizung)
- Die schonende Beheizung der Blase: Statt direkter Flamme erhitzt ein Wasser- oder Dampfmantel die Maische gleichmäßig, sodass nichts anbrennt (Kochton/Brandgeschmack). → Brenngeräte
- Wildhefe
- Die natürlich auf der Frucht sitzenden Hefen. Sie vergären unzuverlässig und liefern oft Fehltöne – darum verdrängt man sie mit Reinzuchthefe. → Maische & Mikrobiologie
- Williamsester
- Ethyldecadienoat – der Aromastoff, der dem Williams-Christ-Birnenbrand seinen typischen Duft gibt.