Brand · aus Speierling

Speierlingbrand

Die seltene Mehlbeere: vollmundig, würzig, gerbstoffgeprägt – wie ein kräftiger Mostbirnenbrand.

Gärtemperatur
18–20 °C
Gärdauer
bis durchgegoren, dann sofort brennen
Trinkstärke
40–45 % vol

Welches Obst eignet sich?

Der Speierling ist ein naher Verwandter der Vogelbeere (Eberesche) und mit ihm teilt er den hohen Gerbstoffgehalt. Die kleinen, ledrigen, birnenförmigen Früchte werden traditionell vor allem in Hessen gepresst und als Gerbstoffquelle dem Apfelwein zugesetzt; gebrannt wird aus ihnen vor allem in Frankreich ein hochprozentiges Destillat.

Für die Brennerei ist er interessant, aber Nischenware: Die Bäume wachsen langsam, werden alt und sind regional eng verbreitet. Der erreichbare Alkoholgehalt liegt etwa auf Mostapfel-Niveau – kein Ausbeute-, sondern ein Charakterobst.

Was dich erwartet

Vollmundig und kräftig, an einen Mostbirnenbrand erinnernd: aromatisch, würzig und deutlich von Gerbstoffen geprägt.

So machst du die Maische

  1. Früchte in nur leicht teigigem Zustand auflesen, waschen und zerkleinern – im selben Reifezustand werden sie auch als Gerbstoffquelle dem Apfelwein zugesetzt.

  2. Pektinase einsetzen wie bei verwandtem Wildobst (Vogelbeere, Elsbeere) – die kleinen, ledrigen Früchte sind hart und gerbstoffreich.

  3. Ansäuern ist notwendig (pH 2,8–3,1). Wegen des hohen Gerbstoffgehalts eine robuste Rotweinhefe verwenden.

  4. Bei 18–20 °C vergären – so läuft die Gärung normalerweise problemlos; der erreichbare Alkohol entspricht etwa dem von Mostäpfeln.

  5. Nach dem Durchgären zügig brennen. Der Brand erinnert an Mostbirne: vollmundig, würzig und gerbstoffgeprägt.

→ Was in der Maische passiert: Gärung im Detail

Wie viel brauche ich?

Du hast eine bestimmte Menge Obst – wie viel Maische, Hefe und (optional) Zucker wird daraus? Der Rechner skaliert die Faustwerte; die genaue Pektinase-Gabe richtet sich nach dem Präparat.

20 l Maische aus 20 kg Frucht

  • Hefe: rund 4–6 g Reinzucht-Trockenhefe (20–30 g/100 l)

Pektinase:wie bei verwandtem Wildobst (Vogelbeere/Elsbeere) empfehlenswert – die Menge immer nach Herstellerangabe dosieren, Präparate sind unterschiedlich konzentriert. → Enzym richtig einsetzen (Maische & Mikrobiologie)

Faustwerte für den Hausgebrauch: weiche Maische ≈ 1 l je kg Frucht, Hefe 20–30 g/100 l, Zucker ~17 g/l je % vol Anhebung (maßvoll aufzuckern – mehr zur hochgradigen Maische). Der Alkohol-Richtwert nutzt den hinterlegten Zuckergehalt (°Brix) und die belegten Obst-Faktoren nach Pischl – er erscheint nur für Obstarten, für die diese Faktoren vorliegen. Genauer rechnet der Brennerei-Rechner aus dem selbst gemessenen Extrakt.

Profil

KategorieBrand
GrundzutatSpeierling
Reife / ErnteFrüchte nur leicht teigig auflesen, waschen und zerkleinern (Herbst); die Bäume tragen erst spät und sind selten.
AusbeuteGering – wie Wildobst (amtl. Mehlbeeren-Satz 2,0 l r. A. / 100 l Obststoff); der erreichbare Alkohol entspricht etwa dem von Mostäpfeln.
Zuckerzusatzklassisch nicht nötig – der erreichbare Alkohol entspricht etwa dem von Mostäpfeln
Maische-pH2,8–3,1 – Ansäuern notwendig
Heferobuste Rotweinhefe (hoher Gerbstoffgehalt)
Pektinasewie bei verwandtem Wildobst (Vogelbeere/Elsbeere) empfehlenswert
Gärdauerbis durchgegoren, dann sofort brennen
AromaWürzig, vollmundig, gerbstoffbetont – mostbirnenähnlich.

Praxis & Tipps

Häufige Fehler bei Speierling

→ Alle Fehlerbilder & Gegenmaßnahmen

Besonderheiten

  • Verwandt mit der Vogelbeere; in Hessen vor allem als Gerbstoffquelle für Apfelwein gepresst, traditionell in Frankreich gebrannt.
  • Hohe °Oe täuschen Ausbeute vor – ein erheblicher Extraktanteil ist nicht vergärbar (Sorbit).