Brand · aus Marille (Aprikose)

Marillenbrand

Samtiger Marillenbrand mit Aprikosen- und Mandelaroma.

Steinobst: Steine beim Vermaischen nicht zerschlagen – aus beschädigten Kernen entsteht Blausäure und daraus das krebsverdächtige Ethylcarbamat. Auch aus intakten Steinen kann bei längerer Maischelagerung Blausäure frei werden; den Nachlauf rechtzeitig (spätestens um 50 % vol) abtrennen. Siehe Bittermandelton und Recht & Sicherheit.

Gärtemperatur
15–18 °C
Gärdauer
Mehrere Wochen, abhängig von Temperatur, Hefe, Reife und Zerkleinerung. Das Gärende anhand einer Restzucker- bzw. Gärkontrolle feststellen, nicht nur nach Kalender.
Trinkstärke
40–45 % vol

Welches Obst eignet sich?

Für Marillenbrand eignen sich vollreife, weiche Früchte, möglichst am Baum ausgereift. Marillen können nach der Ernte nachreifen. Unreife Früchte ergeben aromaarme Brände; unsachgemäße Lagerung begünstigt Fruchtfäule.

Marillen haben einen vergleichsweise hohen natürlichen pH-Wert. Stelle die Maische auf pH 2,8–3,2 ein, um Fehlgärungen zu begrenzen.

Aroma und Geschmack

Marzipanig-mandelig und samtig, mit intensiver, parfümierter Aprikosenfrucht. Der feine Bittermandelton ist marillentypisch und gewollt – er darf den Brand prägen, aber nicht überlagern. Die samtig-parfümierte Fruchtnote spiegelt die Schlüsselaromen der reifen Marille selbst wider – allen voran γ-Decalacton (weich-fruchtiges Lacton), β-Damascenon und Linalool (blumig); weil diese Stoffe flüchtig und hitzeempfindlich sind, lohnt die kühle, schonende Maischeführung (aus der Fruchtaromatik abgeleitet, nicht am Destillat gemessen).

Die Maische ansetzen

  1. Vollreife, weiche, gesunde Früchte verarbeiten. Sie können nach der Ernte nachreifen; bereits reifes Obst zügig verarbeiten, damit es nicht verdirbt.

  2. Vor dem Einmaischen entsteinen – die Marille wird ohne Stein vermaischt; zerschlagene Kerne würden Blausäure freisetzen (Ethylcarbamat-Vorstufe). Die entsteinte Maische enthält wenig unvergärbares Material, vergärt darum schneller und braucht mehr Steigraum – das Gärgefäß nicht randvoll füllen.

  3. Auf pH 2,8–3,2 ansäuern: der Säureschutz ist bei der Marille besonders wichtig, weil ihr Natur-pH höher liegt als bei anderem Steinobst.

  4. Reinzuchthefe zugeben (etwa 20 g je 100 l Maische) und das Gebinde mit Gärverschluss dicht schließen.

  5. Niedrig vergären (15–18 °C; Dauer bis zur vollständigen Vergärung) zum Schutz des feinen Aromas – nach kontrollierter Endvergärung zügig brennen.

→ Gärung im Detail

Wie viel brauche ich?

Du hast eine bestimmte Menge Obst – wie viel Maische, Hefe und (optional) Zucker wird daraus? Der Rechner skaliert die Faustwerte; die genaue Pektinase-Gabe richtet sich nach dem Präparat.

≈ 20 l Maische aus 20 kg Frucht

  • Hefe: rund 4–6 g Reinzucht-Trockenhefe (20–30 g/100 l)

Pektinase:in der Regel nicht nötig – die Menge immer nach Herstellerangabe dosieren, Präparate sind unterschiedlich konzentriert. → Enzym richtig einsetzen (Maische & Mikrobiologie)

Steinobst: Steine nicht zerschlagen (Blausäure/Ethylcarbamat) und den Nachlauf rechtzeitig abtrennen – siehe oben.

Faustwerte für den Hausgebrauch: weiche Maische ≈ 1 l je kg Frucht, Hefe 20–30 g/100 l, Zucker ~17 g/l je % vol Anhebung (maßvoll aufzuckern – mehr zur hochgradigen Maische). Die Volumenzunahme durch gelösten Zucker ist in dieser Näherung nicht berücksichtigt. Der Alkohol-Richtwert nutzt den hinterlegten Extrakt-Richtwert (°Brix) und die belegten Obst-Faktoren nach Pischl – er erscheint nur für Obstarten, für die diese Faktoren vorliegen. Genauer rechnet der Brennerei-Rechner aus dem selbst gemessenen Extrakt.

Verarbeitung und Richtwerte

KategorieBrand
GrundzutatMarille (Aprikose)
Reife / ErnteVollreif, weich und gesund verarbeiten; ausreichend reif geerntete Früchte können nachreifen. Zügig einmaischen, um Lagerfäule zu vermeiden.
AusbeuteChargenabhängiger Richtwert: Sorte, Fruchtreife und vollständige Vergärung bestimmen die tatsächlich gewonnene Alkoholmenge.
Zuckerzusatzklassisch nicht nötig – die reife Frucht bringt genug Eigenzucker (hochgradige Maische mit Zucker: siehe Exkurs in den Grundlagen)
Maische-pH2,8–3,2 – Marille hat einen höheren Natur-pH als anderes Steinobst, Ansäuern ist Pflicht
HefeReinzuchthefe (z. B. Lalvin EC-1118)
Pektinasein der Regel nicht nötig
GärdauerMehrere Wochen, abhängig von Temperatur, Hefe, Reife und Zerkleinerung. Das Gärende anhand einer Restzucker- bzw. Gärkontrolle feststellen, nicht nur nach Kalender.
AromaMarzipanig-mandelig, samtig, intensiv fruchtig.

Praxis & Tipps

Häufige Fehler bei Marille (Aprikose)

→ Alle Fehlerbilder & Gegenmaßnahmen

Besonderheiten

  • Kann nach der Ernte nachreifen; vollreif einmaischen und die Maische vor Luftzutritt schützen.
  • Höherer Natur-pH als anderes Steinobst → Ansäuern besonders wichtig.