Wasser · aus Kirsche

Kirschwasser

Der klare Klassiker aus dem Schwarzwald – „Wasser“ heißt hier Brand.

Steinobst: Steine beim Vermaischen nicht zerschlagen – aus beschädigten Kernen entsteht Blausäure und daraus das krebsverdächtige Ethylcarbamat. Ein kleiner Anteil ganzer Steine ist fürs Aroma unkritisch; den Nachlauf rechtzeitig (spätestens um 50 % vol) abtrennen. Siehe Bittermandelton und Recht & Sicherheit.

Zuckergehalt
15 °Bx
Gärtemperatur
15–18 °C
Gärdauer
2–3 Wochen
Trinkstärke
40–45 % vol

Welches Obst eignet sich?

Kirschwasser lebt von kleinfrüchtigen, intensiv aromatischen Sorten – den echten Brennkirschen, nicht den großen, wässrigen Tafelkirschen. Aroma vor Größe: eine kleine, dunkle, säuerliche Kirsche bringt mehr in den Brand als eine dicke süße Tafelkirsche.

Eine Tücke steckt im Zucker: Ein Teil davon liegt als Sorbit vor – ein Zuckeralkohol, den die Hefe nicht vergärt. Hohe Mostgewichtswerte täuschen deshalb eine Ausbeute vor, die die Frucht gar nicht hält; real fällt sie geringer aus, als das Messgerät verspricht.

Sortenwahl

  • BrennkirschenEmpfehlung

    Der klassische Rohstoff: kleine, zuckerreiche Kirschen, die würzige, breit-aromatische Destillate liefern. Mit Stein gebrannt kommt ein deutlicher Bittermandel- bis Bitterschokoladenton hinzu, entsteint bleibt eine dezente, leicht pfeffrige Würze.

  • SauerkirschenGeeignet

    Eignen sich ebenfalls gut; ihr Zuckergehalt liegt teils noch höher als bei Tafelkirschen, tritt geschmacklich aber hinter der kräftigen Säure zurück. Verarbeitung wie bei Brennkirschen.

  • Süß- & HerzkirschenGeeignet

    Liefern sortenbedingt sehr unterschiedliche Brände: rot-weiße Sorten ähneln fast Wildkirschdestillaten, dunkle Knorpelkirschen erinnern an die frische Frucht. Reine Tafelsorten bleiben meist weniger würzig als echte Brennkirschen.

Was dich erwartet

Klar und mandelbetont: Den Charakter prägt Benzaldehyd, der Bittermandel-/Marzipanton – und der kommt aus der Frucht selbst, nicht aus zerschlagenen Steinen. Dahinter liegt eine dezente, dunkle Fruchtigkeit. Trocken und kompromisslos; „Wasser“ heißt hier nicht zahm, sondern klar gebrannt.

So machst du die Maische

  1. Verlesen und entrappen: nur vollreife, makellose Kirschen; Stiele und Blätter entfernen, sonst kommen herbe, grasige Gerbstofftöne in die Maische.

  2. Früchte quetschen, ohne die Steine zu zerschlagen. Die Steine bleiben ganz in der Maische – aus zerschlagenen Kernen tritt Blausäure aus, Vorstufe des krebsverdächtigen Ethylcarbamats. Das Marzipanaroma stammt ohnehin aus der Frucht selbst.

  3. Schonend zerkleinern – die Steine müssen ganz bleiben. Kleine Mengen quetscht man mit den (sauberen) Händen, einem Kartoffelstampfer oder durch Einstampfen mit sauberen Gummistiefeln in einer Wanne. Bequemer ist ein Rühr-/Schneidaufsatz für die Bohrmaschine – im Brennereibedarf als „Maischerührer“ oder „Rührpaddel“ verkauft (ähnlich einem Farb-/Mörtelrührer, aber mit schneidenden Flügeln), der das Fruchtfleisch von den Steinen löst. Für größere Mengen arbeitet eine Rätzmühle (Fräsmühle mit Siebeinsatz) stein- und kernschonend, ebenso ein Gartenhäcksler ausschließlich mit Kunststoffmessern. Ungeeignet, weil sie die Steine knacken: Stabmixer, scharfe Stahlmahlwerke und der Futtermuser.

  4. Nach der Gärung sinken die ganzen Steine zu Boden oder sammeln sich – bei Brennkirschen typisch – im Tresterhut und lassen sich so vor dem Brennen weitgehend abtrennen.

  5. Kühl einmaischen (unter 20 °C) und das Gärgefäß nur zu rund 80 % füllen: Kirschmaische schäumt stark, mindestens 20 % Steigraum einplanen.

  6. pH auf 2,8–3,2 einstellen und Reinzuchthefe zugeben (etwa 20 g je 100 l Maische). Pektinase ist sinnvoll, aber selten zwingend – die Kirsche gibt ihren Saft leichter her als Kern- oder Wildobst.

  7. Kühl vergären (15–18 °C, 2–3 Wochen). Die Maische besonders gut abdichten – Kirsche oxidiert schneller als die meisten Früchte – und die CO₂-Decke erhalten.

  8. Zügig brennen statt wochenlang lagern: auch aus ganzen Steinen tritt mit der Zeit langsam Blausäure aus. Kupferkontakt (Katalysator) bindet die Blausäure und macht den Brand sauberer. Vorlauf abtrennen, Nachlauf rechtzeitig (um 50 % vol).

→ Was in der Maische passiert: Gärung im Detail

Wie viel brauche ich?

Du hast eine bestimmte Menge Obst – wie viel Maische, Hefe und (optional) Zucker wird daraus? Der Rechner skaliert die Faustwerte; die genaue Pektinase-Gabe richtet sich nach dem Präparat.

20 l Maische aus 20 kg Frucht

  • Hefe: rund 4–6 g Reinzucht-Trockenhefe (20–30 g/100 l)
  • Erwartet: rund 0.9 l reiner Alkohol (Maische ≈ 4.7 % vol) Gesamtalkohol inkl. Vor- und Nachlauf; der verwertbare Mittellauf liegt darunter.

Pektinase:meist nicht nötig – die Menge immer nach Herstellerangabe dosieren, Präparate sind unterschiedlich konzentriert. → Enzym richtig einsetzen (Maische & Mikrobiologie)

Steinobst: Steine nicht zerschlagen (Blausäure/Ethylcarbamat) und den Nachlauf rechtzeitig abtrennen – siehe oben.

Faustwerte für den Hausgebrauch: weiche Maische ≈ 1 l je kg Frucht, Hefe 20–30 g/100 l, Zucker ~17 g/l je % vol Anhebung (maßvoll aufzuckern – mehr zur hochgradigen Maische). Der Alkohol-Richtwert nutzt den hinterlegten Zuckergehalt (°Brix) und die belegten Obst-Faktoren nach Pischl – er erscheint nur für Obstarten, für die diese Faktoren vorliegen. Genauer rechnet der Brennerei-Rechner aus dem selbst gemessenen Extrakt.

Profil

KategorieWasser
GrundzutatKirsche
Reife / ErnteVollreif im Juli; zuckerreiche Brennkirschen (kleine, schwarzrote, schüttelbare Sorten, bis ~120 °Oe) bevorzugen. In der kühlen Tageszeit ernten und keine sonnenwarmen Früchte einmaischen – sonst stürmische Gärung und Aromaverlust.
Ausbeute⌀ 8–10 l (50 % vol) / 100 kg Frucht
Zuckerzusatzklassisch nicht nötig – die reife Frucht bringt genug Eigenzucker (hochgradige Maische mit Zucker: siehe Exkurs in den Grundlagen)
Maische-pH2,8–3,2
HefeReinzuchthefe (z. B. Lalvin EC-1118)
Pektinasemeist nicht nötig
Gärdauer2–3 Wochen
AromaMandel-/marzipanbetont, dezent fruchtig, klar.

Praxis & Tipps

  • Schnell ernten durch Schütteln statt Pflücken: Brennkirschen sind schüttelbar. Auffangnetze oder Planen unter den Baum legen – leicht zur Mitte geneigt, dann rollen die Früchte zusammen – und die vollreifen Kirschen herabrütteln. Bei hohen Bäumen lieber mit Rüttelhaken, einem Seil über einem starken Ast oder einem Akku-Vibrationsrüttler arbeiten als auf der Leiter. Morgens ernten, solange die Früchte kühl sind. Geschütteltes Obst bringt Stiele, Blätter und Ästchen mit – vor dem Einmaischen unbedingt verlesen.
  • Maische besonders gut abdichten – Kirsche oxidiert schneller als die meisten Früchte.
  • Kühl einmaischen (unter 20 °C); die Maische schäumt stark, also mindestens 20 % Steigraum im Gärgefäß lassen.
  • Ganze Steine dürfen in der Maische bleiben – nur nicht zerschlagen, sonst tritt aus den beschädigten Kernen Blausäure aus (Ethylcarbamat-Vorstufe). Das Marzipanaroma kommt ohnehin aus der Frucht selbst.
  • Steinobst-Maische zügig brennen statt lange lagern: auch aus ganzen Steinen tritt über Wochen langsam Blausäure aus (Ethylcarbamat-Vorstufe).
  • Pektinase ist sinnvoll, aber selten zwingend – die Kirsche gibt ihren Saft leichter her als Kern- oder Wildobst.

Häufige Fehler bei Kirsche

→ Alle Fehlerbilder & Gegenmaßnahmen

Der Schnitt

Steinobst: ganze Steine dürfen mitvergären, nur nicht zerschlagen (Blausäure → Ethylcarbamat); die Maische dann zügig brennen statt lange lagern. Maische besonders gut abdichten – Kirsche oxidiert schnell. Vorlauf abtrennen, Nachlauf rechtzeitig (um 50 % vol).

→ Kopf, Herz, Schwanz: der Schnitt im Detail

Besonderheiten

  • „Wasser“ (Kirschwasser) ist der traditionelle Name für Kirschbrand.
  • Maische besonders oxidationsempfindlich.