Holunderbrand
Dunkel und herb-würzig – die Dolde der Hecke, sofort gebrannt.
- Gärtemperatur
- 15–18 °C
- Gärdauer
- kurz – möglichst sofort nach der Gärung brennen
- Trinkstärke
- 40–45 % vol
Welches Obst eignet sich?
Was dich erwartet
So machst du die Maische
Abrebeln ist Pflicht: die Beeren von den Dolden lösen und dabei möglichst wenig unreife Beeren in die Maische lassen – der Holunder reift an der Dolde ungleich. Beeren zerkleinern – ein Bohrmaschinen-Rühraufsatz ist praktisch, weil sich verbliebene weiche Stängel um den Aufsatz wickeln und sich so mühelos entfernen lassen. Roh sind die Früchte durch ein Alkaloid leicht giftig (führen zu Erbrechen) – beim Brennen wird es zerstört, die rohe Maische aber nicht kosten. Den pH-Wert prüfen und bei Bedarf korrigieren (2,8–3,2): wegen des niedrigen zu erwartenden Alkohols ist der Säureschutz wichtig. Robuste Hefe zugeben (Rotwein- oder Sekthefe). Der Holunder neigt zu Hefenährstoffmangel mit stockender Gärung – Hefenährsalz (etwa 30–40 g je 100 l) beugt vor. Kühl vergären und nach der Gärung nicht lagern – sofort brennen, sonst drohen Essigstich und Fehltöne. Langsam destillieren: Holundermaische schäumt und steigt stark – ein Antischaummittel und ruhige Arbeit verhindern das Überkochen. Den oft breiten, unharmonischen Brand mit getrockneten Holunderblüten veredeln – zur Destillation zugegeben oder im Destillat mazeriert (dann die Gelbfärbung beachten); das ergibt ein klares, fruchtig-frisches Destillat.
→ Was in der Maische passiert: Gärung im Detail
Wie viel brauche ich?
Du hast eine bestimmte Menge Obst – wie viel Maische, Hefe und (optional) Zucker wird daraus? Der Rechner skaliert die Faustwerte; die genaue Pektinase-Gabe richtet sich nach dem Präparat.
≈ 20 l Maische aus 20 kg Frucht
- Hefe: rund 4–6 g Reinzucht-Trockenhefe (20–30 g/100 l)
Pektinase:
Faustwerte für den Hausgebrauch: weiche Maische ≈ 1 l je kg Frucht, Hefe 20–30 g/100 l, Zucker ~17 g/l je % vol Anhebung (maßvoll aufzuckern – mehr zur hochgradigen Maische). Der Alkohol-Richtwert nutzt den hinterlegten Zuckergehalt (°Brix) und die belegten Obst-Faktoren nach Pischl – er erscheint nur für Obstarten, für die diese Faktoren vorliegen. Genauer rechnet der Brennerei-Rechner aus dem selbst gemessenen Extrakt.
Profil
| Kategorie | Brand |
|---|---|
| Grundzutat | Holunderbeere |
| Reife / Ernte | |
| Ausbeute | |
| Zuckerzusatz | |
| Maische-pH | |
| Hefe | |
| Pektinase | |
| Gärdauer | |
| Aroma |
Praxis & Tipps
Nur voll ausgefärbte, dunkle Beeren ernten – die Dolden reifen ungleich. Vollständig abrebeln: Stiele und grüne Beeren bringen Bitterkeit (Sambunigrin) und Fehltöne. Großen Steigraum lassen oder Antischaum nutzen – die Maische schäumt stark. Möglichst sofort nach der Gärung brennen.
Häufige Fehler bei Holunderbeere
Breiter, unharmonischer Brand (bei Holunder sortentypisch): mit getrockneten Holunderblüten (zur Destillation oder als Mazerat) zu einem klaren, frischen Destillat veredeln. Essigstich oder deutliche Nachlaufnote: beim Holunder besonders auffällig – die Maische nach der Gärung nicht lagern, sofort brennen, den Nachlauf sauber abtrennen. Übergekochte, trübe Maische: Holunder schäumt stark – langsam und mit Antischaummittel brennen.
→ Alle Fehlerbilder & Gegenmaßnahmen
Der Schnitt
Besonderheiten
Abrebeln ist Pflicht – Stiele und unreife grüne Beeren enthalten das cyanogene Glykosid Sambunigrin und bringen Bitterkeit/Fehltöne. Fürs Destillat sicherheitlich unkritisch: Sambunigrin ist wasserlöslich und hitzelabil, bleibt im Maischerückstand – anders als Methanol kein Übergang in den Brand. Maische schäumt stark → großen Steigraum lassen. Möglichst sofort nach der Gärung brennen. Die Holunderblüte ist nur mit Zuckerzugabe vergärbar (sonst als Geist/Ansatz).
