Schlehenbrand
Die wilde Hecke im Glas: herb, mandelig, erst nach dem ersten Frost geerntet.
Steinobst: Steine beim Vermaischen nicht zerschlagen – aus beschädigten Kernen entsteht Blausäure und daraus das krebsverdächtige Ethylcarbamat. Ein kleiner Anteil ganzer Steine ist fürs Aroma unkritisch; den Nachlauf rechtzeitig (spätestens um 50 % vol) abtrennen. Siehe Bittermandelton und Recht & Sicherheit.
- Gärtemperatur
- 18–20 °C – Wildobst vergärt wärmer
- Gärdauer
- ~3 Wochen
- Trinkstärke
- 40–45 % vol
Welches Obst eignet sich?
Was dich erwartet
So machst du die Maische
Nach dem ersten Frost ernten: er erleichtert den Zellaufschluss – die oft genannte Aroma-Verbesserung ist allerdings nicht gesichert. Beeren mit Wasser abbrausen und Blattreste entfernen. Zerkleinern und Wasser zusetzen (20–25 l je 100 l Maische): die Schlehe ist sehr trocken und extraktreich, sonst läuft die Gärung nur stockend. Pektinase ist zwingend und hoch dosiert – etwa die dreifache Herstellermenge wie für Pflaume – unter Rühren einarbeiten, bis die Masse einigermaßen homogen ist. Nicht ansäuern – bei der Schlehe ist eine Säurezugabe nicht erforderlich. Reinzuchthefe höher dosieren (30 g je 100 l); im gerbstoffreichen, zuckerarmen Substrat hilft zusätzlich Hefenährsalz (30 g je 100 l). Etwas wärmer vergären (~18 °C); nach rund 3 Wochen ist die Maische durchgegoren und sollte sofort gebrannt werden – längeres Stehen in undichten Gefäßen bringt Kahmhefe. Steine nicht zerschlagen; ein kleiner Anteil ganzer Steine (~10 %) darf fürs mandelige Aroma mitbrennen. Vorlauf abtrennen, Nachlauf rechtzeitig.
→ Was in der Maische passiert: Gärung im Detail
Wie viel brauche ich?
Du hast eine bestimmte Menge Obst – wie viel Maische, Hefe und (optional) Zucker wird daraus? Der Rechner skaliert die Faustwerte; die genaue Pektinase-Gabe richtet sich nach dem Präparat.
≈ 20 l Maische aus 20 kg Frucht
- Hefe: rund 4–6 g Reinzucht-Trockenhefe (20–30 g/100 l)
Pektinase:
Steinobst: Steine nicht zerschlagen (Blausäure/Ethylcarbamat) und den Nachlauf rechtzeitig abtrennen – siehe oben.
Faustwerte für den Hausgebrauch: weiche Maische ≈ 1 l je kg Frucht, Hefe 20–30 g/100 l, Zucker ~17 g/l je % vol Anhebung (maßvoll aufzuckern – mehr zur hochgradigen Maische). Der Alkohol-Richtwert nutzt den hinterlegten Zuckergehalt (°Brix) und die belegten Obst-Faktoren nach Pischl – er erscheint nur für Obstarten, für die diese Faktoren vorliegen. Genauer rechnet der Brennerei-Rechner aus dem selbst gemessenen Extrakt.
Profil
| Kategorie | Brand |
|---|---|
| Grundzutat | Schlehe |
| Reife / Ernte | |
| Ausbeute | |
| Zuckerzusatz | |
| Maische-pH | |
| Hefe | |
| Pektinase | |
| Gärdauer | |
| Aroma |
Praxis & Tipps
Erst nach dem ersten Frost ernten – er baut Gerbstoffe ab und macht die Frucht milder. Wasser zusetzen (20–25 l je 100 l Maische) – die Frucht ist sehr trocken und extraktreich. Pektinase hoch dosieren: etwa die dreifache Menge wie bei Pflaume. Nicht ansäuern. Steine nicht zerschlagen; ein kleiner Anteil ganzer Steine (~10 %) darf fürs mandelige Aroma mitbrennen. Steinobst-Maische zügig brennen statt lange lagern: auch aus ganzen Steinen tritt über Wochen langsam Blausäure aus (Ethylcarbamat-Vorstufe).
Häufige Fehler bei Schlehe
Stockende, unvollständige Gärung: ohne Wasserzusatz und ausreichend Pektinase vergärt das trockene, extraktreiche Substrat nur schleppend – 20–25 l Wasser je 100 l und dreifache Pektinase-Dosis. Kahmhefe-Note: die Maische blieb nach dem Gärende zu lange stehen oder das Gefäß war undicht – sofort nach Durchgärung brennen, Gefäß dicht halten. Aufdringlicher Bittermandelton: zerschlagene Kerne statt einiger weniger ganzer Steine – Steine ganz lassen, ihren Anteil klein halten.
→ Alle Fehlerbilder & Gegenmaßnahmen
Der Schnitt
Besonderheiten
Erst nach dem ersten Frost ernten. Sehr trockene, extraktreiche Frucht → Wasserzusatz und hohe Pektinase-Dosis. Als zuckerarme, aromatische Frucht alternativ als Schlehengeist (Mazeration statt Gärung) möglich.
