Brand · aus Williamsbirne

Williamsbrand

Blumig und parfümiert, mit dem Duft reifer Williamsbirnen.

Brix-Richtwert
12 °Bx
Gärtemperatur
max. 18 °C (Aromaschonung)
Gärdauer
Mehrere Wochen, abhängig von Temperatur, Hefe, Reife und Zerkleinerung. Das Gärende anhand einer Restzucker- bzw. Gärkontrolle feststellen, nicht nur nach Kalender.
Trinkstärke
40–45 % vol

Welches Obst eignet sich?

Die Williamsbirne ist säure- und zuckerarm. Ihr blumiger, parfümierter Duft wird vom sogenannten geprägt. Sie wird meist sortenrein gebrannt; im Vordergrund steht das Aroma.

Verwende vollreife, noch nicht teigige Birnen. Prüfe den pH-Wert und stelle ihn mit Säure auf 2,8–3,2 ein, um Fehlgärungen zu begrenzen.

Aroma und Geschmack

Blumig und parfümiert, mit dem Duft reifer Williamsbirnen und einem zarten Eindruck am Gaumen. Den Nachlauf früh abtrennen, damit er das feine Aroma nicht überdeckt. Eine Analyse des fertigen Birnenbrands erfasste 44 geruchsaktive Stoffe. Besonders wirksam waren (E)-β-Damascenon (honig-blumig) und Ethyl-2-methylbutanoat (fruchtig-apfelig).

Die Maische ansetzen

  1. Verlesen und waschen: nur vollreife, aber nicht schon teigige Birnen verarbeiten; faules und angestoßenes Obst konsequent aussortieren – Fehler lassen sich später nicht herausbrennen.

  2. Stiele herausziehen und das Kernhaus entfernen, dann die Früchte zu feinem Mus zerkleinern (Maisch- oder Passiermühle). Die gerbstoffreichen Stiele und das Kernhaus bringen sonst herbe, kratzig-bittere Töne in die Maische; eine Passiermaschine trennt Stiele, Kerne und harte Kernhausteile in einem Arbeitsgang ab.

  3. Pektinase ist bei Birne optional (sie verbessert die Saftausbeute) – wer sie einsetzt, rührt sie vor Säure und Hefe ein und lässt sie etwa 1 Stunde vorquellen. Sie wirkt zwischen 15 und 40 °C; unter 15 °C die Dosis nach Herstellerangabe um die Hälfte erhöhen.

  4. Auf pH 2,8–3,1 ansäuern: Birne hat von Natur aus einen zu hohen pH-Wert. Mit Milch- oder Phosphorsäure einstellen und mit dem pH-Meter kontrollieren – der niedrige pH ist der wichtigste Schutz der mageren Maische gegen Fehlgärung.

  5. Reinzuchthefe nach Anleitung rehydrieren und einrühren (etwa 20 g je 100 l Maische). Gärgefäß mit Gärspund verschließen (Sperrflüssigkeit: 2-prozentige schweflige Säure) und nicht randvoll füllen.

  6. Kühl vergären (höchstens 18 °C, das flüchtige Birnenaroma ist hitzeempfindlich) und die Maische nicht umrühren – das trägt nur Sauerstoff und Keime ein. Nach abgeschlossener, kontrollierter Gärung ist die Maische brennbereit und sollte zügig gebrannt werden.

→ Gärung im Detail

Wie viel brauche ich?

Du hast eine bestimmte Menge Obst – wie viel Maische, Hefe und (optional) Zucker wird daraus? Der Rechner skaliert die Faustwerte; die genaue Pektinase-Gabe richtet sich nach dem Präparat.

≈ 20 l Maische aus 20 kg Frucht

  • Hefe: rund 4–6 g Reinzucht-Trockenhefe (20–30 g/100 l)
  • Erwartet: rund 0.9 l reiner Alkohol (Maische ≈ 4.3 % vol) Gesamtalkohol inkl. Vor- und Nachlauf; der verwertbare Mittellauf liegt darunter.

Pektinase:optional, hilft bei der Ausbeute – die Menge immer nach Herstellerangabe dosieren, Präparate sind unterschiedlich konzentriert. → Enzym richtig einsetzen (Maische & Mikrobiologie)

Faustwerte für den Hausgebrauch: weiche Maische ≈ 1 l je kg Frucht, Hefe 20–30 g/100 l, Zucker ~17 g/l je % vol Anhebung (maßvoll aufzuckern – mehr zur hochgradigen Maische). Die Volumenzunahme durch gelösten Zucker ist in dieser Näherung nicht berücksichtigt. Der Alkohol-Richtwert nutzt den hinterlegten Extrakt-Richtwert (°Brix) und die belegten Obst-Faktoren nach Pischl – er erscheint nur für Obstarten, für die diese Faktoren vorliegen. Genauer rechnet der Brennerei-Rechner aus dem selbst gemessenen Extrakt.

Verarbeitung und Richtwerte

KategorieBrand
GrundzutatWilliamsbirne
Reife / ErntePflücke knapp vor der Baumreife (Mitte August) und lasse im Lager kontrolliert nachreifen.
AusbeuteUnbestätigter Praxisrichtwert aus dem ursprünglichen Import: etwa 9 l (50 % vol) / 100 kg Frucht. Keine statistisch abgesicherte Durchschnitts- oder garantierte Ausbeute.
Zuckerzusatzklassisch nicht nötig – die reife Birne bringt genug Eigenzucker; aromabestimmend ist die Frucht, nicht der Zucker
Maische-pH2,8–3,2 (Birne hat oft zu hohen pH → Säurezugabe meist zwingend)
HefeReinzuchthefe (z. B. Lalvin EC-1118)
Pektinaseoptional, hilft bei der Ausbeute
GärdauerMehrere Wochen, abhängig von Temperatur, Hefe, Reife und Zerkleinerung. Das Gärende anhand einer Restzucker- bzw. Gärkontrolle feststellen, nicht nur nach Kalender.
ReifungIm Glasballon/Glas einige Monate ruhen lassen; kein Holz, das deckt das Birnenaroma zu.
AromaHochkomplex, esterreich: blütig, parfümiert, typisch Williams.

Praxis & Tipps

  • Kernhaus vor dem Vermaischen entfernen – es bringt sonst herbe, kratzige Töne in die Maische.
  • Säurezugabe ist bei Birne fast Pflicht: der natürliche pH liegt zu hoch, Ziel sind 2,8–3,2.
  • Luftdicht arbeiten – die Williamsmaische oxidiert leicht und verliert dann an Frische.
  • Kühl vergären (≤ 18 °C): das flüchtige Birnenaroma ist hitzeempfindlich, Wärme treibt es aus.
  • Knapp vor der Baumreife pflücken und kontrolliert nachreifen lassen – vollreif, aber nicht teigig.

Häufige Fehler bei Williamsbirne

→ Alle Fehlerbilder & Gegenmaßnahmen

Besonderheiten

  • Maische ist oxidationsempfindlich – luftdicht arbeiten.
  • Säurezugabe zur pH-Einstellung ist bei Birne fast immer Pflicht.